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Dose 11: Tadadaaa! – Tadadaaa!

Veröffentlicht am 29.09.2019

Schon wieder checke ich in ein Flugzeug ein. Diesmal weiß ich allerdings von vornherein, wohin es geht, denn Geocacher Bert, der mich in Boston aus der Dose befreit hat, erzählt einfach jedem, dass er jetzt nach Philadelphia fliegt ...

Und dass er die Philadelphia Eagles endlich live erleben darf. Die Eagles sind irgendeine Sport-Mannschaft, deren Fan er ist. Sein Redeschwall scheint nie ein Ende zu nehmen. Immer wieder fallen Begriffe wie Quarterback und Touchdown, mit denen ich nicht viel anfangen kann. Dass er Fan ist, kann jedenfalls keiner übersehen, denn der Eagles Schriftzug prangt auf der Brust seines übergroßen Trikots und je ein Adlerkopf mit weit aufgerissenem Schnabel schreit einem förmlich von den Ärmeln entgegen. Dasselbe Tier in Groß sitzt auf dem Rücken der Jacke, die er im Flugzeug ins Gepäckfach stopft. Dass er mich dort mit seinem Handgepäck verstaut, kann ich durch mentale Tricks gerade noch verhindern.

In Philadelphia weht ein kalter Wind. Bert zieht seine Philadelphia-Eagles-Wollmütze über Glatze und Ohren. Den Mangel an Kopfbehaarung, macht er auf seiner unteren Gesichtshälfte wieder wett. Sein Bart sieht aus wie zerrupfte Putzwolle und reicht ihm bis auf die Brust. Bert hat einen Hang zu Albernheiten, weswegen er es gut findet, in den Umschlag seiner Mütze einen Panda-Travelbug zu klemmen. Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Vor seiner Stirn fühle ich mich wie auf dem VIP-Balkon zur Welt. Und weil Bert lang wie ein Baum ist, habe ich den vollen Überblick! An dieser Stelle möchte ich nicht unterschlagen, dass ich mental vielleicht ein wenig nachgeholfen habe …

Da Bert zum ersten Mal überhaupt in Philadelphia ist, und bis zum Spiel noch Zeit hat, fahren wir erstmal zur Treppe. Zu DER Treppe, erklärt Bert wichtigtuerisch, und als wir endlich da sind, kriegt er sich vor lauter Begeisterung kaum mehr ein. Hat der Kerl noch nie eine Treppe gesehen? Klar, breit ist sie, und ganz schön hoch, und über ihr thront ein eckiges Gebäude mit mächtigen Säulen-Portalen. Ein Tempel? Ist Bert vielleicht ein verkappter Anhänger irgendeiner religiösen Sekte, die in Philadelphia ihren Ursprung hat? Meine Verwirrung steigert sich, als Bert Anlauf nimmt, und die Treppe hochspurtet. Ja, ihr habt richtig gelesen: Er geht nicht, er joggt! Dabei singt er eine Melodie in Dauerschleife vor sich hin, die ich irgendwann Mal im Radio gehört habe – oder war es im Fernseher? "Tadadaaa! - Tadadaaa! - Tadadaaa! - Tadadaaa! – Tadada-tadada Tadada-tadattada TADAAA!" Den hohen Ton am Ende erwischt Bert jedes Mal nicht wirklich, und als er die letzten Stufen im Schneckentempo erklimmt, kriegt er gar keinen Ton mehr heraus. Schnaufend und breitbeinig bleibt er auf dem Platz vor dem tempelartigen Gebäude stehen und reißt beide Arme hoch. Kaum ist er wieder bei Atem, brüllt er: »Es lebe Rocky Balboa!«, und als er eine Passantin darum bittet, ihn in Siegerpose zu fotografieren, weiß ich endgültig, was Fremdschämen bedeutet! Allerdings kriege ich jetzt erst mit, dass Bert längst nicht der einzige ist. Jede Menge Leute rennen die Stufen hoch, als wäre der Teufel persönlich hinter ihnen her, um oben mit hochgereckten Armen in Jubel auszubrechen. Diese Sekte, wenn es denn eine ist, scheint sehr seltsame Rituale zu haben!

Doch ein Tempel ist das Gebäude am Ende der Treppe nicht. Es ist das Museum of Art, was mir Bert natürlich nicht erzählt. Das schnappe ich aus den Unterhaltungen anderer Treppenläufer auf. Bert zeigt kein Interesse an einer der größten und bedeutendsten Kunst-Sammlungen der USA. Er hat seine Treppenmission erfüllt und macht sich auf zum Football-Stadion. Nicht auf direktem Weg. Denn er hat noch Zeit, und es gibt ja so viele interessante Caches, die einen Abstecher wert sind …

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